… und mit einem verstörten Sehnerv zurückkam.

Als ich vor ein paar Wochen gefragt wurde, ob ich ein paar Hochzeitsfotos bearbeiten könnte, stimmte ich mit ruhigem Gewissen zu. Die geknipsten Trophäen der Hochzeitsgäste dürften zwar eine Herausforderung darstellen, aber ich mach’s ja gerne. Doch, wie hätte es anders kommen sollen, ich hatte mich zu früh gefreut. Denn das was ich auf einem USB-Stick überreicht bekam, waren Bilder die von einer “professionellen” Fotografin gemacht wurden.

Ich werde, kann und darf euch an dieser Stelle keines der Foto zeigen, aber das was ich auf dem Stick vorfand, war definitiv nicht das, was ich von jemand Professionellem erwartet hätte. Teilweise extrem Unscharf, unnötige Personen im Bild, sehr merkwürdige Bildschnitte und und und. Am heftigsten waren allerdings die Glanzstellen im Gesicht der Braut. Die Fotografin hat gleichzeitig auch die Visa gemacht und meinte vorher, dass es mit ihrem Make Up keine Glanzstellen geben würde. Die Bilder sagen da leider etwas Anderes. Das i-Tüpfelchen auf dem Ganzen war aber eine Ponysträhne der Braut, die selbst auf den gestellten Bildern fröhlich auf ihrer Stirn hin und her wanderte. Tolle Visa, diese Fotografin. Auf so etwas muss man doch achten!

Als Nächstes stellte sich mir dann aber die Frage, warum die Fotografin die Bilder nicht selber bearbeitet hat. Also flott die Braut zum Gespräch gebeten und nachgefragt. Ergebnis war, dass die Fotos quasi direkt nach der Hochzeit auf DVD überreicht wurden und angeblich bearbeitet waren. Bei einer erneuten Durchsicht der Fotos fiel mir dann auch auf, was die Dame bearbeitet hatte: außer die Bilder etwas zuzuschneiden war absolut gar nichts verändert oder angepasst worden. Coole Sache.

Naja, freundlich und Herausforderungen suchend, wie ich nun einmal bin, sagte ich endgültig zu und sprach letzte Details mit der Braut ab. Diese war mit den Bildern an sich halbwegs zufrieden und wollte nur allgemein die Belichtung angepasst und die Glanzstellen wegretuschiert haben. Kurz überlegte ich mir, wie ich bei 55 Bildern am besten vorgehen kann und entschied mich die Belichtung (+ Rauschen & Schärfe) in LR anzupassen. Für die Glanzstellenretusche gab ich Photoshop den Vorzug. Die gesamte Bearbeitung an sich war für mich zwar eigentlich insgesamt sehr entspannt, aber nach der 20sten Glanzstellenretusche kann man die Bilder auch irgendwie nicht mehr sehen. Insgesamt dauerte das ganze Prozedere etwas mehr als acht Stunden für den gesamten Auftrag.

Nachdem das letzte Bild bearbeitet und das gesamte Paket auf einen USB-Stick gezogen war, war ich schon ziemlich froh, dass der Auftrag endlich abgeschlossen ist, denn die Bilder konnte ich mir kaum noch angucken. Andererseits bin ich im Nachhinein aber auch ziemlich froh diesen Auftrag angenommen zu haben, denn er hat meine Retuschefähigkeiten um Einiges gesteigert und auch mein Grafiktablett ist noch ein Stückchen tiefer in mein Herz vorgedrungen. Die ganze Sache hat mich aber auch gelehrt Aufträge/Arbeiten besser organisieren zu müssen und mir demnächst Aufträge vor der Annahme sehr genau anzuschauen. Von daher war das Ganze doch ein toller (Lern-)Erfolg für mich.

Sinn dieses Beitrags soll es auf keinen Fall sein über die Fotografin zu lästern oder Ähnliches, denn ich weiß ja selber nicht, ob ich es viel besser gemacht hätte. Ich möchte diese Geschichte einfach nur mit euch teilen, um zu zeigen, dass Qualität definitiv ihren Preis hat (die Fotografin war spottbillig) und was da draußen im Hochzeitsfotobusiness so vor sich geht.  Vielleicht bin ich auch ein wenig durch die Fotos von SteffenPaddyJulia und den anderen tollen Hochzeitsfotografen verwöhnt, aber ich bin einfach der Meinung, dass ein Hochzeitsfotograf an einem besonderen Tag auch besondere Arbeit leisten sollte.

Jetzt würde mich noch interessieren, was Ihr von so etwas haltet und ob euch vielleicht selber schon einmal solch ein Auftrag untergekommen ist! Also schnappt auch das Kommentarfeld und befüllt es mit euren Worten. Ich freu mich drauf.

Liebe Grüße

Jan

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